Gescheitert, aber gescheiter

Schon in der Schule wurden wir darauf konditioniert, dass Fehler etwas Negatives sind. Sie wurden mit Rotstift markiert und mit einer schlechten Note quittiert. 

Noch im Erwachsenenalter, privat oder beruflich, haben viele Leute Angst, Fehler zu machen. Passieren tun sie trotzdem. «Wer war das?» ist nicht selten die unmittelbare Frage danach. 

Schuldige zu suchen und (ungefiltert) zurechtzuweisen – die personenzentrierte Fehleraufbereitung – führt aber nicht dazu, dass keine Fehler mehr gemacht, sondern im Gegenteil gar vertuscht werden. In der Hoffnung, dass es niemand bemerkt, kann aus dem anfangs vielleicht noch kleinen Fehler ein Problem mit weitreichenden Konsequenzen werden.

Fehler passieren und das ist ok. Denselben Fehler wieder und wieder zu machen hingegen ist das eigentliche Problem. Das Ziel einer konstruktiven Fehlerkultur ist folglich nicht die Abwesenheit von Fehlern, sondern aus Fehlern zu lernen und offen damit umzugehen – weshalb wir oft auch von Lernkultur sprechen: Ganz im Sinne des Mottos: «Gescheitert, aber gescheiter». 

Was kannst du nun konkret tun, um eine konstruktive Fehler- oder eben Lernkultur zu fördern? 

Auf die Sache fokussieren
Statt «Wer hat den Fehler verursacht?» sollten wir uns auf die Sache fokussieren.  Stelle dir bei einem nächsten Fehler folgende Fragen: 

> Was ist die Ursache des Fehlers? 
> Welche Schritte können wir unternehmen, um den Fehler zu beheben? 
> Was können wir aus dem Fehler lernen?
> Was müssen wir tun, damit es nicht nochmals zum selben Fehler kommt? 

Teamretrospektiven nutzen
Fehler zu kommunizieren braucht Vertrauen, welches oft erst aufgebaut werden muss. Entsprechend braucht es Zeit und Geduld, eine Fehler- und Lernkultur zu etablieren. Nutzt Retrospektiven im Team, um die Zusammenarbeit zu reflektieren. 

> Wie sind wir mit geschehenen Fehlern umgegangen? 
> Was war gut, was nicht? 
> Was lernen wir aus unserem Umgang mit Fehlern? 
> Was möchten wir konkret verändern? 

Als Vorbild vorangehen
Gehe mit gutem Beispiel voran. Analysiere deinen Umgang mit Fehlern, sowohl mit deinen eigenen, als auch mit denjenigen von anderen.

> Wie reagiere ich, wenn Fehler passieren? 
> Was sind die Konsequenzen meiner Reaktion? 
> Was mache ich gut und wo habe ich Verbesserungspotential? 
> Welche konkreten Massnahmen nehme ich mir vor? 

Dear intern
Anfang des Jahres gab es auf den sozialen Medien einen Trend, bei dem Mitarbeitende, Führungspersonen, Unternehmer:innen aus verschiedenen Branchen über ihre unangenehmsten Fehler geschrieben haben. 

IT-Systeme, die komplett lahmgelegt wurden bis zu 
E-Mails, bei denen 7x in Folge der Anhang vergessen ging. Etwas zu private Kalendereinträge, die versehentlich im ganzen Unternehmen einsehbar waren oder Fahrzeuge der Unternehmensleitung, die am ersten Tag zu Schrott gefahren wurden.

Damit wollten sie jüngeren Arbeitnehmenden Mut machen und zeigen, dass Fehler menschlich sind. 

Ob im Freundeskreis, im Team oder im Austausch mit Abteilungen – veranstaltet euer eigenes «Dear intern», um das gegenseitige Vertrauen zu fördern. Was sich im ersten Moment unangenehm anhört, kann sich zu einem unterhaltsamen Austausch (im positiven Sinn) entpuppen.